Das Geschäft mit dem Burnout-Syndrom

Wer unter dem Burnout-Syndrom leidet, ist bei einem Arzt oder Psychotherapeuten an der richtigen Adresse, sollte man meinen. Doch inzwischen erobert das Phänomen Burnout sämtliche Märkte und sorgt für Millionen Euro Umsatz.

Während noch vor wenigen Jahren Rückenprobleme das Volksleiden Nummer eins bei den Krankenmeldungen waren, hält sich nach Hochrechnungen der Krankenkassen rund ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung für ausgebrannt. Dagegen muss etwas getan werden, finden nicht nur Ärzte und Kurkliniken. So haben beispielsweise Versicherungen das Geschäft mit dem Burnout erkannt und werben nun teils aufdringlich für Berufsunfähigkeitspolicen. Weiterhin werden zahllose Coachings zur Burnout-Prävention angeboten. Mit Honoraren von 2000 bis 3000 Euro für ein Tagesseminar sind sie vor allem auf Fachkräfte und Angehörige der Führungsebenen zugeschnitten – das heißt auf die Menschen, die über die entsprechenden finanziellen Ressourcen verfügen und weniger auf diejenigen, die diese Angebote tatsächlich benötigen würden – wie beispielsweise Kranken- oder Altenpfleger.

Auch Reiseveranstalter haben den Bedarf entdeckt und Wellness-Trips und Selbstfindungsreisen in ihr Programm aufgenommen. Das mag einen ruhigen Urlaub ermöglichen, dem echten Burnout-Patienten helfen solche Angebote allerdings wenig. Am meisten nutzen sie dem, der daran verdient. Ähnlich verhält es sich mit beinahe schon kuriosen Freizeitangeboten wie beispielsweise Anti-Burnout-Tango-Kursen.

Auf diese Weise wird Burnout kommerzialisiert, bevor das Leiden überhaupt zu Genüge erforscht werden kann. Denn wer tatsächlich an einem Burn-Out erkrankt ist, braucht keine Meditationskurse auf La Palma. Damit gilt wie so oft: Was populär ist, ist nicht zwangsweise sinnvoll oder gesundheitsfördernd. Burnout-Patienten sollten daher zuerst medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und sich nicht vorschnell für überteuerte Kursangebote ohne nachweisbaren Nutzen entscheiden.

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