Trend zum Singlehaushalt erhöht Burnout-Gefahr

Schlechte Bedingungen am Arbeitsplatz alleine sind selten Grund für die Entstehung des Burnout-Syndroms, stellen Wissenschaftler in der letzten Zeit immer häufiger fest. Sicherlich geht es in den meisten Betrieben heute hektischer als früher zu. Doch muss man ebenso sehen, dass sich unser gesamtes Leben verändert hat. Der Druck ist allgemein größer geworden: Wir sollen Altersvorsorge betreiben, Karriere machen, flexibel bleiben, uns weiterbilden, gesund leben. Allerdings ist es so, dass dabei die Sozialstrukturen in unserer Gesellschaft nicht mehr tragen.

Bis vor wenigen Jahrzehnten waren in Deutschland Familien mit drei bis vier Kindern etwas ganz Normales. Der Nachwuchs blieb später in der Regel in relativer Nähe zum Elternhaus, denn Karriere war auch vor Ort möglich. Entsprechend groß waren sowohl der familiäre Rückhalt als auch der über Jahre gewachsene Freundeskreis, auf den man sich in der Not stützen konnte.

Heute geht der Trend vor allem im großstädtischen Raum zum Singlehaushalt. Liebe und Beziehungen werden fragile Konstrukte, die häufig wenige Jahre nicht überdauern. Zu schnell entwickeln sich die Partner auseinander, finden anderweitig ihr Glück oder ziehen aus beruflichen Gründen weg, fanden Soziologen heraus. Die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie wird schon fast zur Ausnahme. Stattdessen gibt es alleinerziehende Elternteile mit Kindern und Patchwork-Familien. Auch die Großeltern wohnen nicht mehr nebenan, sondern nicht selten Hunderte von Kilometern entfernt.

Demnach wird also nicht nur der Job, sondern auch das Privatleben zu einer aufreibenden Angelegenheit. Oft arten schon Kleinigkeiten zu einem Stress verursachenden Problem aus, stellen Psychologen fest. Was fehlt, so die Experten, sind sinnvolle Work-Life-Balance-Konzepte, die das individuelle Privatleben der Beschäftigten berücksichtigen sowie ein funktionierendes soziales Unterstützungssystem. Dies sind die Voraussetzungen dafür, dass die Welt der Arbeitnehmer nicht gleich zusammenbricht, wenn der Partner erkrankt oder ein Familienmitglied zum Pflegefall wird.

Jetzt bewerten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.