Anti-Stress-Verordnung zur Burnout-Prävention: Arbeitgeber zeigen sich uneinsichtig

Jeder zweite Beschäftigte empfindet seine Arbeit als belastend, belegt der „Stressreport 2012“, den Arbeitsministerin Ursula von der Leyen im Januar vorstellte. 59 Millionen Krankheitstage haben psychische Störungen wie das Burnout Syndrom 2011 verursacht – 18-mal so viele wie noch vor acht Jahren. Die größten Stressfaktoren sind der Studie zufolge der Zwang zu Multitasking, hoher Termin- und Leistungsdruck, Monotonie bei der Arbeit und ständige Störungen der Arbeitsabläufe. 16 Prozent aller Arbeitnehmer schuften 48 Stunden pro Woche und mehr – oft ohne entsprechenden Ausgleich oder Anerkennung.

Es wird deutlich: Menschen werden immer stärker zu Leistungsmaschinen degradiert. Doch das rächt sich: Arbeitsprozesse werden fehleranfällig und die Qualität leidet. Darüber hinaus kosten die Ausfälle wegen psychischer Erkrankungen Unternehmen und Staat mittlerweile jährlich Unsummen: So kam es zu einem Ausfall an Bruttowertschöpfung in Höhe von 10,3 Mrd. Euro und Produktionsausfallkosten in Höhe von 5,9 Mrd. Euro.

Die Politik hat inzwischen erkannt, dass der wirtschaftliche Schaden, der durch ein derartiges Verheizen von Humankapital entsteht, wesentlich größer ist als eine Investition in die seelische Gesundheit der Beschäftigten. Die Arbeitgeber sehen das anders: Sie verweigerten ihre Unterschrift unter die „Erklärung zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit“, die das Bundesarbeitsministerium, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und die Gewerkschaften gemeinsam verabschieden wollten. Damit sind sie letzten, die die Notwendigkeit einer Neuregelung der modernen Arbeitswelt noch nicht begriffen haben.

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