Arbeiten bis zum Umfallen

Der Fall des 21-jährigen Praktikanten einer Londoner Investment-Bank, der nach drei Tagen und Nächten ohne Schlaf überarbeitet zusammenbrach und verstarb, ging kürzlich durch alle Medien. Der Fall weist wieder einmal darauf hin, dass Stress über kurz oder lang fast unweigerlich zu Burnout, psychischen Erkrankungen und schwerwiegenden gesundheitlichen Beschwerden führt. Laut DAK-Gesundheitsreport stiegen die Fehltage wegen psychischer Leiden in den letzten 15 Jahren um 165 Prozent an. Das liegt nicht nur an mehr Patienten, sondern auch an einer entsprechenden Sensibilisierung der Ärzte. So fragen beispielsweise Orthopäden, die Rückenschmerzen untersuchen, heute auch nach seelischen Belastungen.

Dennoch sind sich Experten inzwischen sicher, dass die steigende Belastung im Job ein wesentlicher Grund für den Anstieg psychischer Leiden ist. Laut DGB müssen 63 Prozent der Arbeitnehmer in gleicher Zeit heute mehr leisten als noch vor einigen Jahren – die Hälfte gab eine Wochenarbeitszeit von mindestens 45 Stunden an. 52 Prozent der Befragten fühlen sich dabei im Job „gehetzt“.

Die Belastungsfaktoren im Einzelnen sind dabei ganz unterschiedlich: permanent geforderte Aufmerksamkeit, Termindruck, Störungen und Unterbrechungen, hohes Arbeitstempo, ein hoher Lärmpegel zum Beispiel in Großraumbüros, allgemeine Überlastung durch zu viele Aufgaben, ständiges Sitzen, Angst vor drohender Arbeitslosigkeit und schlechte Luft im Büro. Doch das ist noch längst nicht alles: Zahlen vom Statistischen Bundesamt belegen, dass 59,1 Prozent der Angestellten „atypische Arbeitszeiten“ wie Überstunden, Wochenendarbeit oder Dauerbereitschaft in Kauf nehmen müssen.

Die Gewerkschaften setzen sich derzeit dafür ein, dass die geplante Anti-Stress-Verordnung bald in Kraft tritt.

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