Schweizer Studie zeigt: Angst vor Diskriminierung bei Burnout und psychischen Erkrankungen

Dass psychische Leiden in der Schweiz noch immer ein Tabu sind, zeigt eine neue repräsentative Studie im Auftrag der Werner Alfred Selo Stiftung in Kooperation mit Pro Mente Sana. Während körperliche Beschwerden offen angesprochen werden, sind psychische Probleme für die meisten Schweizer ein Thema, das 89 Prozent der Befragten nur im engsten Familienkreis besprechen würden.

Entsprechend sieht es in der Arbeitswelt aus. 75 Prozent würden eine psychische Erkrankung ihrem Chef verschweigen, 90 Prozent würden sie auch gegenüber Kollegen niemals thematisieren. Zu groß ist die Angst vor Stigmatisierung, beruflichen Nachteilen oder einer Kündigung.

Zwei Drittel der Befragten sind der Auffassung, dass die Angst vor öffentlicher oder privater Diskriminierung nicht unberechtigt ist. Aber auch sie selbst hegen Vorurteile: So glauben 36 Prozent, dass psychisch Kranke eine Last für die Gesellschaft sind. Rund die Hälfte der Befragten möchte lieber keine psychisch kranke Person als Schwiegersohn oder Schwiegertochter haben.

Auch das Vertrauen in Fachärzte und Psychologen ist in der Schweiz nicht sehr ausgeprägt. Nur etwa die Hälfte der Studienteilnehmer würde sich bei psychischen Leiden fachliche Hilfe suchen. Das kann fatale Folgen haben, da der innere Leidensdruck durch Isolation und Angst vor Ausgrenzung steigt. In einigen Fällen kann dies dazu beitragen, dass die betroffene Person Suizid verübt. Vor allem Männer und ältere Menschen neigen dazu, seelische Probleme zu verschweigen. Jüngere Menschen sind dagegen offener und besser informiert, zugleich aber auch rigider in ihren Vorurteilen.

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