Referendare im Burnout: 80-Stunden-Wochen und schlechte Perspektiven

Fast jeder Lehramtsstudierende weiß: Das Referendariat ist ein echter Härtetest – vor allem für die Nerven. Zwei Jahre, in denen, so beschreibt es ein Betroffener, „einer fertig ist, bevor er fertig ist“. Mitleid kann jedoch kaum einer erwarten. Außenstehenden erscheint der Lehrerberuf vielfach wie ein Traum: Um 13 Uhr ist man fertig und dann die vielen Ferien! Wer unter solchen Umständen jammert, wird höchstens belächelt.

Die Realität sieht allerdings anders aus, insbesondere bei Berufsanfängern: Von acht bis 13 Uhr Unterricht, anschließend Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Lehrprobenvorbereitung, Lernen für das zweite Staatsexamen. Für die meisten endet der Tag nicht weit vor Mitternacht. Kein Manager leistet mehr, schon gar nicht für die knapp 1000 Euro brutto, die Referendare im Durchschnitt verdienen.

Lehrer im Burnout – Fotolia ©vladorlov

Während viele Referendare wider Erwarten gut mit den Schülern klarkommen, machen häufig Kollegen und Vorgesetzte Probleme. Realitätsferne Seminare, in denen hehre Theorien, aber keine praktischen Beispiele für guten Unterricht diskutiert werden, Lehrproben, in denen sich die Gutachter Macht, Hohn und Willkür deutlich anmerken lassen  – viele Referendare empfinden nur Hilflosigkeit und Wut. Wer nicht hartgesotten ist und nach dem Motto „Augen zu und durch“ handelt, sondern sich Gedanken macht und den Diskurs sucht, ist rettungslos verloren.

Nach der Höllen-Ausbildung ist das Leiden jedoch noch nicht zu Ende. Wer nicht den Geschmack des Seminarleiters oder Gutachters trifft oder es sich mit ihnen durch kritische Auseinandersetzungen verscherzt, bekommt in den Lehrproben schlechte Noten und hat so kaum eine Chance auf eine zeitnahe Anstellung, von Planstelle und Verbeamtung ganz zu schweigen. Davon abgesehen werden immer mehr Lehrer als Saisonkräfte angestellt – und sind in den Sommerkräften jedes Mal arbeitslos.

Laut Studien der Uni Potsdam leiden insgesamt neun bis 35 Prozent der Lehrer am Burnout-Syndrom, weitere 30 Prozent fühlen sich überfordert. Bei Studierenden und Referendaren gelten jeweils 25 Prozent als Burnout-gefährdet.

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