Burnout: Wie Überstunden und Selbstausbeutung depressive Erkrankungen fördern

Maßlose Erwartungen der Chefs, Steigerung der Arbeitseffizienz ins Unendliche: Das Plus an Stress im Job bekommen meist die Beschäftigten zu spüren. Dabei will keiner der erste sein, der sagt: Ich schaffe das nicht. Mehrarbeit aus Angst, als Versager zu gelten, aus Angst, den Job zu verlieren – dies gilt sowohl für junge als auch für erfahrene Angestellte. Der moderne Angestellte arbeitet heutzutage so lange, wie es die Arbeit erfordere, und nicht, wie der Arbeitsvertrag die Wochenarbeitszeit regelt.

Eine aktuelle Studie belegt, dass mehr als die Hälfte aller Beschäftigten länger als vertraglich vereinbart arbeiten.  Dabei leiden die Menschen im Alltag am meisten unter dem Zeitdruck. Viele der Befragten fühlten sich verzweifelt und ohnmächtig. Wohin das führen kann, hat vor einigen Jahren die Selbstmordserie in Frankreichs Firmen gezeigt. Noch springen die Menschen in Deutschland nicht vom Dach, doch haben psychische Erkrankungen als Folge des Leistungsdrucks exorbitant zugenommen.

Insgesamt rund 13 Millionen Menschen leiden an depressiven Störungen. Mehrere Überstunden pro Tag über einen längeren Zeitraum hinweg erhöhen das Risiko für eine schwere Depression. Das ergab eine Langzeitstudie mit mehr als 2000 Angestellten britischer Behörden. In der Studie wurden Daten von 1626 Männern und 497 Frauen berücksichtigt, die durchschnittlich 47 Jahre alt waren. Sie wurden über einen Zeitraum von  zwischen vier und sieben Jahren begleitet. Elf Prozent der Studienteilnehmer arbeiteten im Schnitt elf Stunden und mehr am Tag. Vor Beginn der Studie wurde zunächst ausgeschlossen, dass die Angestellten bereits an psychischen Beschwerden litten.
Arbeit bedeutet auch Selbstverwirklichung. Das Problem ist, dass immer mehr Angestellte für den Beruf auf ein erfülltes Privatleben verzichten. Die Betroffenen wissen durchaus, dass ihnen etwas fehlt und Arbeit nicht alles ist. Doch der Arbeitsmarkt hat sich verschärft. Viele Angestellte fühlen sich trotz Erfolg im Job ständig  wie Arbeitslose auf Bewährung.

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