Outing oder Kündigung? Der Umgang mit Burnout im Beruf

Psychische Belastungen sind immer häufiger Ursache für Arbeitsausfälle und lange Krankschreibungen. Nach aktuellen Erhebungen kamen Experten für Österreich für das Jahr 2009 auf rund 2,5 Millionen Fehltage aufgrund von psychischen Leiden. Das traurige Resümee: Patienten mit Burnout oder Depressionen fehlen durchschnittlich 37 Tage – das heißt rund dreimal länger als Arbeitnehmer mit grippalen Infekten und anderen Erkrankungen. Aktuelle Studien aus dem Institut für Psychologie der Universität Graz zeigen zudem, dass rund ein Drittel der stark belasteten und demotivierten Mitarbeiter darüber nachdenkt, die Arbeitsstelle zu kündigen.

Besser arbeitslos als krank – ist das der einzige Ausweg? Auch wenn es vielerorts noch an strategischen Maßnahmen und deren praktischer Umsetzung fehlt, sind Betriebe inzwischen für das Thema Burnout sensibilisiert. Ein Outing ist möglich, allerdings sollte dabei stets mit Vorsicht vorgegangen werden. Mit Ängsten und Depressionen einfach herausplatzen sollten die Patienten auf gar keinen Fall. Die Öffentlichkeit weiß zwar heute mehr über psychische Krankheiten, aber der Wunsch nach sozialer Distanz ist geblieben. Ob ein Outing gelingt oder sogar förderlich ist, hängt stark von den personellen Verhältnissen und der persönlichen Einstellung des Chefs ab. Häufig werden Depressionen und auch Burnout mit geringerer Belastungsfähigkeit assoziiert. Unter Umständen sollten Betroffene daher zwar zugeben, dass sie krank sind, aber anstatt eines psychischen Leidens eine Stoffwechselstörung oder ähnlich Unverfängliches angeben.

Die Patienten sollten ihrem Gefühl trauen und abwägen, wie viel auf dem Spiel steht. Ein selbstbewusster Umgang mit der Krankheit kann durchaus Vorteile haben. Wer andere einweiht, bekommt eher Unterstützung und mitunter sogar Bewunderung. Dabei ist es ratsam, solche Überlegungen nicht alleine anzustellen, sondern sich auf die Empfehlung von Ärzten, Therapeuten und Freunden zu stützen.

5/5 - (1 vote)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert