Pflegenotstand: Krankenschwestern und Krankenpfleger sind stark Burnout-gefährdet

Ein Stuttgarter Krankenhaus verzeichnete kürzlich 3282,87 Überstunden des Pflegepersonals, berichtete die Presse. Oftmals müssten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Pause durcharbeiten. Die Situation steht nach Angaben der Betroffenen kurz vor der Eskalation. Die Klinikleitung, so heißt es, sei sich des Problems bewusst und arbeite an Lösungen. Doch egal, wie diese aussehen: Bei Pflegenotstand handelt es sich um ein wesentlich globaleres Problem.

Krankenschwestern und Krankenpfleger arbeiten meist im Schichtdienst und leisten dabei teils schwere körperliche Arbeit. Aber auch die seelische Belastung darf nicht unterschätzt werden – gilt es doch Patienten, Angehörigen, Kollegen und Vorgesetzten gleichermaßen gerecht zu werden. Schon ein einziger Fehler kann dabei unter Umständen ein Leben kosten. Die Verantwortung, die das Pflegepersonal trägt, ist demnach nicht viel geringer als die eines Arztes. Die allgemeine Belastung ist hoch. Im besagten Stuttgarter meKrankenhaus ist inzwischen jeder zehnte Pfleger krankgeschrieben.

Zugleich ist die finanzielle und zwischenmenschliche Anerkennung für Pflegepersonal meist eher gering. Viele Krankenhäuser bezahlen ihre Angestellten nach „Haustarif“. Dieser liegt normalerweise unterhalb des öffentlichen Tarifs. Letzterer wird oftmals nur noch an größeren Kliniken und Universitätskliniken gezahlt. Dies ist unter anderem ein Grund für Nachwuchsmangel in den Pflegeberufen, der sich auch in Alten- und Pflegeheimen bemerkbar macht.

Doch der Nachwuchs ist immer häufiger gar nicht mehr so stark gefragt. So müssen Krankenhäuser mit derselben Personalzahl immer mehr Patienten und immer schwierigere Fälle betreuen, um überhaupt noch schwarze Zahlen zu schreiben. Verantwortlich für die angespannte wirtschaftliche Lage seien vor allem die stark gestiegenen Kosten für medizinische Geräte, Arznei und Energie. Es handelt sich um einen Teufelskreis, der nur noch durch gesundheitspolitische Reformen aufgehoben werden kann.

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