Seelsorge für Seelsorger: Wenn Geistliche ein Burnout entwickeln

Eine wesentliche Aufgabe von Priestern und Pfarrern ist die Seelsorge. Dabei geht es darum, anderen Menschen, die sich in teils schwierigen Lebenssituationen befinden, Halt zu geben und ihnen Mut zuzusprechen. Doch inzwischen sind viele Geistliche selbst am Ende ihrer Kräfte.

Eine wesentliche Ursache sind die veränderten beruflichen Strukturen in der Seelsorge. Es fehlt an Nachwuchs. Dadurch verteilen sich die Aufgaben auf immer weniger Schultern. Im Bistum Essen zum Beispiel wurden durch eine radikale Strukturreform 259 ehemals selbständige Gemeinden zu 43 Großgemeinden zusammengefasst. Das heißt, auf einen Seelsorger kommen tausende Menschen. Dies ist für zahlreiche Geistliche manchmal schon kaum mehr körperlich zu bewältigen. Hinzu kommen umfangreiche Verwaltungsaufgaben, die Zeit fressen. Am Ende fühlen sich viele Priester und Pfarrer müde, lustlos und ausgebrannt. Die Kirche erlebt also ein ähnliches Phänomen wie die freie Marktwirtschaft. Katholische Priester leiden zudem häufig unter dem Zölibat und nicht ausgelebter Sexualität. Sie flüchten in Chatrooms und nutzen das Internet, um Sexualität wenigstens virtuell zu erleben. Dies hilft jedoch nicht gegen das eigentliche Problem: die Einsamkeit. Sind evangelische Pfarrer deshalb fein raus? Mitnichten, sie klagen häufig über Ehe-Probleme. In beiden Fällen ist externe Hilfe oftmals notwendig.

In der Kirche macht sich bereits seit längerem die Erkenntnis breit, dass auch Geistliche in Zeiten wachsender Aufgaben und Probleme Unterstützung benötigen. Neben Kriseninterventionen und Kurzzeittherapien werden deshalb auch Häuser eingerichtet, die als Therapiezentren fungieren. Der Andrang ist groß – ein gutes Zeichen, dass Männer, die eigentlich immer stark sein müssen, sich in ihrer Schwäche Unterstützung suchen.

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