Bis zur Erschöpfung unter Druck

Burnout bei Kindern und Jugendlichen

Burnout wird von den meisten Menschen noch immer als „Managerkrankheit“ betrachtet, die nur überarbeitete Erwachsene betrifft. Doch auch Kinder und Jugendliche können bereits von massiven Erschöpfungszuständen aufgrund dauerhafter Überlastung betroffen sein. Welche Umstände zu einem Burnout-Syndrom führen können und welche Symptome darauf hindeuten, fasst dieser Artikel zusammen.

© Serhiy KobyakovSchulischer Leistungsdruck und Zukunftsängste
Bereits in der Schule sind Kinder und Jugendliche erheblichem Druck ausgesetzt. Schon jungen Kindern wird vermittelt, dass sie unbedingt gute Leistungen erbringen und zu den Besten gehören müssen, um noch Chancen auf dem globalisierten Arbeitsmarkt zu haben. Spätestens, wenn Abschlussprüfungen oder der Übergang ins Studentenleben bevorstehen, verschärfen sich die Versagensängste junger Menschen massiv. Viele Kinder wachsen zudem in Haushalten auf, in denen Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und dem sozialen Abstieg vorherrschen. Eltern setzen ihre Kinder daher oftmals ohne böse Absichten stark unter Druck. Besonders dann, wenn sich erste Symptome eines Burnouts bemerkbar machen, wie beispielsweise eine zunehmende Verweigerungshaltung, reagieren Eltern aus Unwissenheit schnell falsch. Sie interpretieren das Verhalten des Kindes als (pubertäre) Trotzreaktion und versuchen, der Lage mit Strenge Herr zu werden. Leider kann sich die Burnout-Problematik dadurch noch verstärken, da sich das Kind unverstanden, alleingelassen und noch stärker unter Druck gesetzt fühlt.

Mangelnde Freizeit
Viele Kinder haben heute eine komplett durchorganisierte Woche, die nicht nur aus Schule und Hausaufgaben, sondern auch diversen Freizeitaktivitäten besteht. Musikstunden, Nachhilfe, zusätzlicher Sprachunterricht und die Mitgliedschaft im Sportverein sollen die lieben Kleinen ideal auf das spätere Leben vorbereiten. Dass dabei ein wesentlicher Teil der Kindheit auf der Strecke bleibt, sehen Eltern häufig nicht. Doch gerade freies Spiel und gelegentliche Langeweile sind wichtig für die Entwicklung der Kinder.

Familiäre Probleme
In vielen Familien herrschen Einsamkeit und Sprachlosigkeit sowohl zwischen den Eltern untereinander als auch zwischen Eltern und Kindern. Klassische Familienkonstellationen werden zudem seltener und viele Kinder haben zu einem Elternteil nur seltenen oder gar keinen Kontakt. Besonders dann, wenn ein Elternteil selbst von den immer häufiger auftretenden psychischen Erkrankungen betroffen ist, können für Kinder sehr belastende Situationen entstehen. Es fehlt ihnen an Rückhalt und dem Gefühl, in der Familie gut aufgehoben und geborgen zu sein. In dieser Konstellation entwickeln manche junge Menschen eine Erschöpfungsdepression, Selbstwertprobleme und das Gefühl absoluter Perspektivlosigkeit.

Mobbing
Neben Leistungsdruck ist Mobbing das zweite zunehmende Phänomen an Schulen. Mobbing hat viele Gesichter. Meist wird ein einzelnes Kind dabei von einer Gruppe ausgeschlossen und dauerhaft schikaniert. Die Mobbingopfer werden beispielsweise beleidigt und erniedrig, bedroht oder von anderen Kindern geschlagen. In vielen Fällen finden diese Angriffe auf Körper und Seele täglich statt und zermürben das Opfer physisch und psychisch.

Welche Anzeichen weisen auf ein mögliches Burnout-Syndrom hin?
Ein Burnout im Kindes- und Jugendalter zu erkennen, ist nicht immer einfach. Eltern, Lehrer und Erzieher sollten aufgrund zunehmender Häufigkeit von psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen jedoch vermehrt darauf achten, ob sich einige der folgenden Symptome zeigen. Diese können unter Umständen auf ein Burnout oder andere seelische Probleme hinweisen und sollten Anlass für ein einfühlsames Gespräch geben.

  • Gesteigertes Bedürfnis nach Bestätigung
  • Mangelndes Selbstwertgefühl
  • Schlafstörungen
  • Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit
  • Soziale Isolation und Verschlossenheit
  • Aggressivität und Reizbarkeit
  • Häufige physische Erkrankungen
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