Burnout und Depression – Neue Erkenntnisse von Molekularbiologen

Tiroler Forscher geben anlässlich des Europäischen Tages der Depression am 1. Oktober Ergebnisse aus ihrer aktuellen Forschung bekannt. Laut diesen könnte eine Ursache für Depressionen im Stoffwechsel der Zellen liegen.

Burnout – Stress und Depressionen

Burnout und Depression - Neue Erkenntnisse von Molekularbiologen

Bereits allgemein bekannt und wissenschaftlich belegt ist, dass chronischer Stress ein Auslöser für Depressionen sein kann. Gestresste Menschen fühlen sich müde und schlapp, können negative Gedankenkreise nur schwer durchbrechen und klagen über Schlafprobleme. In der Folge kann sich eine Depression manifestieren, die ein behandlungsbedürftiges Krankheitsbild darstellt.

Doch warum genau führen Stress und Überlastung zu Depressionen? Molekularbiologe Alexander Karabatsiakis forscht aktuell an der Universität Innsbruck zu genau diesem Mechanismus. Karabatsiakis verfolgt den Ansatz, dass bei einer solchen Erkrankung möglicherweise der Energiestoffwechsel der Zellen gestört sein könnte. Dies würde erklären, warum Betroffene häufig Konzentrationsstörungen, Leistungsabfall und im allgemeinen weniger Energie bei sich beobachten.

Depressionen auf Zellebene

Um zu untersuchen, inwieweit der Stoffwechsel in den Zellen bei Depressionen verändert sein könnte, messen Karabatsiakis und Kollegen den Sauerstoffverbrauch der Zellen. So sind sie in der Lage, die Leistung des sogenannten mitochondrialen Systems zu erfassen. Mitochondrien sind das Zellorgan, das für die Produktion der Zellenergie zuständig sind. Sie sind sozusagen das Kraftwerk unserer Zellen.

Karabatsiakis‘ Vermutung: Bei chronischem Stress und Überanstrengung findet im mitochondrialen System eine substanzielle Veränderung statt. Die Zellen rutschen in der Folge in eine Art „biochemischen Burnout“. Dass die Mitochondrien ihre Leistung bei einer depressiven Erkrankung reduzieren, konnte der tiroler Forscher bereits in einer Studie im Jahr 2019 nachweisen. Es konnte gezeigt werden, dass Zellen umso weniger Sauerstoff brauchen, je stärker eine depressive Erkrankung ausgeprägt ist. In der Folge arbeiten die Mitochondrien weniger, da sie den Sauerstoff benötigen, um Energie zu produzieren. In einer weiteren Studie konnte Karabatsiakis außerdem nachweisen, dass sich der Sauerstoffverbrauch wieder erhöht, wenn die Symptomatik sich bessert, also wenn beispielsweise eine Therapie begonnen wird.

Bedeutung dieser Erkenntnisse

Karabatsiakis Forschung liefert neue Erkenntnisse über die Entstehung und die Ursache depressiver Erkrankungen. Ein tieferes Verständnis dieser Mechanismen könnte dazu beitragen, neue Therapie- und Diagnostikverfahren zu entwickeln. Mit dem Wissen über biochemische Veränderungen in den Zellen könnte beispielsweise ein mitochondrialer Funktionstest in Therapie oder Diagnostik einfließen. Laut Karabatsiakis sind Untersuchungen zu einem solchen Test bereits in Vorbereitung.

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