Albert Pietzko

Was ist „Burn-out“?

Der Begriff Burn-out, englisch für Ausbrennen, umschreibt einen andauernden seelischen und körperlichen Erschöpfungszustand. Burn-out ist keine medizinische Diagnose, sondern ein in der Gesellschaft immer mehr akzeptierter Überbegriff, hinter dem eine psychosomatische Erkrankung wie etwa eine Depression oder Angststörung steckt.

Welches sind die Gründe für Burn-out?

Die Ursachen für Burn-out sind vielfältig. Die psychosoziale Belastung der Menschen durch hohe Leistungsanforderungen, Informationsüberflutung und seelische Verletzungen spielen dabei eine große Rolle. Auch die zunehmenden familiären Zerfallsprozesse,  die geforderte berufliche Mobilität, virtuelle Beziehungen und die hohe Anzahl an Trennungen und Scheidungen tragen dazu bei, dass Menschen immer weniger tragfähige Beziehungen haben, die sie in Krisen auffangen können. Auch die Arbeit wird häufig als Ursache angegeben, allerdings ist Burn-out nicht die Folge von zu viel Arbeit, sondern von zu viel – ich nenne es immer – „entseelter“ Arbeit. Verspüre ich in meiner Arbeit Sinn und korrespondiert sie mit meinen inneren Werten, dann kann ich viel arbeiten. Sind jedoch die Arbeitsbedingungen eher schlecht wie z. B. keine genaue Aufgabenverteilung, ein schlechtes Klima im Unternehmen, dann kann die Arbeit zur Belastung werden.

Was sind Anzeichen für Burn-out?

Einem Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik gehen in der Regel vier bis sieben Jahre Entwicklungsgeschichte der Symptomatik voraus. Körperliche Indikatoren für eine beginnende Erkrankung sind Schlafschwierigkeiten, Veränderungen im Appetitempfinden, steigendes Verlangen nach Alkohol und Nikotin, körperliches Missempfinden wie chronische Muskelverspannung, Magen- und Verdauungsprobleme, Herz- und Kreislaufprobleme, Müdigkeit. Im seelischen Bereich sind das anhaltende und sich wiederholende depressive Stimmungen, diffuse Ängste und Rückzug von Freunden und Familie.

Was lässt sich präventiv gegen Burn-out tun?

Zu allererst müssen wir uns unserer inneren Werte und Bedürfnisse bewusst sein. Ein Bestandteil zur Verbesserung der psychosozialen Lage wäre ein neuer Ansatz der Prävention in allen gesellschaftlichen Bereichen, der sich auf die grundlegenden Kompetenzen zur Lebensführung, zur Bewältigung von Krisen und zur Entwicklung von tragfähigen und erfüllenden Beziehungen konzentriert. Dieser Präventionsgedanke kann schon bei der Gesundheitsbildung der Kinder im Kindergarten und in der Schule ansetzen, indem sie während eines Schulfachs „Gesundheit“ Selbstführung erlernen und soziale Kompetenzen außerhalb der Familie entwickeln könnten, die ihnen im späteren Arbeitsleben nützlich sein werden. Da ein solches Konzept derzeit noch „Zukunftsmusik“ ist, müssen in einem ersten Schritt die Unternehmen umdenken. Die Führungsebene sollte sich bewusst werden, dass sie neben ihrer Kernaufgabe auch eine gesellschaftliche Aufgabe und Verantwortung für ihre Mitarbeiter hat.

Welche Behandlungs-Methoden haben sich bewährt?

Burn-out-Patienten haben meistens den Bezug zu ihren eigenen Bedürfnissen und ihren innersten Werten verloren. In der Psychotherapie geht es darum, die eigene Situation anzuerkennen und sich einzugestehen, dass man krank ist. Danach lernen die Betroffenen wieder Verantwortung für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu übernehmen und sich Grenzen zu setzen. In der Parkklinik Heiligenfeld gibt z. B. eine eigene Burn-out-Gruppe, die sich wöchentlich trifft. Ziel dieser Gruppe, die ergänzend zu den anderen Therapiegruppen stattfindet, ist es, Betroffene über das Krankheitsbild aufzuklären. Außerdem werden die Selbstwahrnehmung sowie die Reflektion und Erweiterung des persönlichen Handlungsspielraums im Umgang mit den Herausforderungen im Beruf und Leben trainiert. In den Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen arbeiten wir kaum mit Medikamenten. Sie werden nur zur Stabilisierung von akuten Krisensituationen eingesetzt. Unser Ziel ist es, die Psychotherapie ohne Medikamente durchzuführen und eine Veränderung des lang erlernten Verhaltensmusters zu erreichen.

Zur Person Albert Pietzko:
Albert Pietzko: Dipl. Pädagoge; über 20 Jahre angestellter und freiberuflicher Psychotherapeut; seit 1990 Beratung und Coaching von Unternehmern und Führungskräften zur Persönlichkeits- und Unternehmensentwicklung; Organisation von Kongressen zu den Themenfeldern „Wirtschaft, Spiritualität und Psychotherapie“; seit über 10 Jahren freier Mitarbeiter in der Strategischen Leitung der Heiligenfeld GmbH; Arbeitsschwerpunkte: Unternehmenskommunikation, Wertemanagement, Qualitäts- und Change- Management; Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Heiligenfeld & Pietzko GmbH.

Neben vier Kliniken für Psychosomatische Medizin, darunter eine Familienklinik in Waldmünchen in der Oberpfalz, gehören eine orthopädische, onkologische und internistische Reha-Klinik, ein Medizinisches Versorgungszentrum, eine eigene Akademie sowie eine Unternehmensberatung zur Heiligenfeld GmbH. beschäftigen über 700 Mitarbeiter und zeichnen sich durch eine werteorientierte Unternehmensphilosophie aus, die neben wirtschaftlichen auch humanistische, soziale, ökologische und spirituelle Werte einbezieht.

Vielen Dank für das Interview!

Autor: Kathrin Schmitt

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