Burnout-Syndrom: Flächenbrand oder Medienhype?

In Talkshows geben sich prominente Patienten die Klinke in die Hand, Krankenkassen veröffentlichen ständig Meldungen, dass immer mehr Beschäftigte aufgrund psychischer Beeinträchtigungen arbeitsunfähig werden. Doch was steckt wirklich hinter dem Burnout-Syndrom? Werden Familie und Arbeitsalltag tatsächlich für immer mehr Menschen unerträglich – oder handelt es sich doch nur um ein medial übersteigertes Problembewusstsein?

Fakt ist, dass Arbeitnehmer in der heutigen Zeit weniger als früher unter den gesundheitlichen Folgen schwerer körperlicher Arbeit leiden. Stattdessen nehmen Stress und psychische Belastungen zu. Informationsüberflutung, Multitasking und standardisierte Arbeitsabläufe ohne individuelle Spielräume sind etwas ganz Normales geworden. Darüber hinaus trägt die mobile Kommunikation dazu bei, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter verschwimmt.

Doch laut einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse sind fast 40 Prozent der Erwachsenen in Deutschland der Meinung, dass ihr Leben nicht stressiger ist als früher, sondern dass lediglich mehr über psychische Probleme wie das Burnout-Syndrom gesprochen wird. Demgegenüber stehen immerhin knapp 60 Prozent der Befragten, die angeben, das Leben sei in der Tat anstrengender als früher. Als Hauptursache gilt der Job (59 Prozent). 43 Prozent der Umfrageteilnehmer belasten zudem finanzielle Sorgen, weiter 30 Prozent leiden unter ständiger Erreichbarkeit. Als Stressfaktoren empfunden werden in diesem Zusammenhang auch Smartphones und soziale Netzwerke.

Dennoch darf nicht jede Belastung oder Überforderung als behandlungsbedürftiges Burnout bewertet werden. Das Burnout-Syndrom als solches gilt nicht eigenständige Diagnose. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Erschöpfungsdepression, so Fachmediziner.  Davon abgesehen ist nicht jeder, der beruflich stark eingespannt ist, ein potenzieller Kandidat für das Burnout-Syndrom. Wer Spaß an seiner Arbeit hat, positives Feedback bekommt und das Gefühl hat, etwas Sinnvolles zu tun, bleibt auch in Stressphasen belastbar.

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