Burnout: Therapiemaßnahmen nicht zu lange hinauszögern!

Das Burnout-Syndrom entwickelt sich schleichend und wird auch von Mitarbeitern, Vorgesetzten und Angehörigen der Betroffenen häufig nicht rechtzeitig erkannt. Aus diesem Grund gelangen Patienten manchmal erst sehr spät in Therapie.

Oftmals zögern auch die Betroffenen selbst die Inanspruchnahme von Hilfe sehr lange hinaus. Das funktioniert, indem sie punktuelle Veränderungen in ihrem Leben vornehmen, die kurzfristig zu Erleichterung führen. Andere wiederum verdrängen das Burnout durch Aktionismus. Dennoch: Wer einfach so weitermacht und nicht grundlegend etwas ändert, wird früher oder später eine Therapie benötigen.

Die psychotherapeutische Behandlung bei Burnout ist vor allem inhaltlich und weniger medikamentös ausgerichtet. Liegt eine erkennbare Depression vor, kann eine entsprechende Medikation die Symptome lindern und den Patienten für eine inhaltliche Therapie zugänglicher machen.  Dies ist allerdings nicht immer der Fall. So kann die Verordnung von Antidepressiva vom Patienten auch als zusätzliche Niederlage wahrgenommen werden. Dies hat zur Folge, dass die Medikamente oft nicht regelmäßig eingenommen oder eigenmächtig abgesetzt werden.

Der Fokus bei Burnout-Patienten liegt auf einer anderen Ebene: Zunächst in der Verarbeitung von enttäuschten Illusionen und Trauerarbeit, dann in der Neuaufstellung der Persönlichkeit, dem Aufbau von Selbstwertgefühl und der Neudefinition der Identität.

Die Behandlung des Burnout-Syndroms kann sehr komplex sein. Es ist nicht auszuschließen, dass nach der Therapie die Wiedereingliederung in das Arbeitsleben fehlschlägt und eine (Teil-)Invalidität bestehen bleibt. Die Prognose ist stets abhängig von den persönlichen seelischen Ressourcen des Einzelnen. Je früher durch eine Therapie interveniert wird, desto besser können diese Ressourcen geschützt werden. Andererseits profitieren viele Patienten aber auch von einem durch den Job geregelten Tagesablauf, einem lebhaften sozialen Umfeld und sinnvollen Aufgaben. Insgesamt lässt sich sagen, dass Verlauf und Therapieerfolg bei Burnout sehr individuell sind – ebenso wie die notwendigen Behandlungsmaßnahmen.

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