Depressionen und Burnout: Der Einfluss von Gesellschaft und Arbeitswelt

Depressionen und andere seelische Erkrankungen sind in den Industrienationen stark auf dem Vormarsch. Die Gesundheitsberichte der Krankenkassen zeigen seit Mitte der 90er Jahre einen kontinuierlichen Anstieg der Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen. Seit 2001 belegen psychische Erkrankungen den ersten Platz unter den Begründungen für vorzeitige Erwerbsunfähigkeit. Depressionen halten hinsichtlich dieser Entwicklung den größten Anteil.

Bereits seit längerer Zeit suchen die Wissenschaftler nach den Ursachen der neuen „Volkskrankheiten“. Dabei rücken die dramatischen Veränderungen in der Arbeitswelt des 21. Jahrhundertes immer stärker in den Fokus. Der amerikanische Soziologe Richard Sennet bezeichnet deren gesellschaftlichen Effekt als das „Paradox des neuen Kapitalismus“: So wird dem modernen Menschen abverlangt, zu jeder Zeit und zu hundert Prozent flexibel und wandlungsfähig zu bleiben. Dies scheint der einzige mögliche Weg zu Erfolg und Anerkennung zu sein. Doch wer gezwungen ist, ständig so zu denken, verlernt jedes tiefere Engagement. Auf der Strecke bleiben das Gefühl der inneren Verpflichtung sowie die Loyalität den Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber. Private Bindungen und lebensgeschichtlicher Zusammenhang, beides wichtig für die Identität des Menschen, werden immer schwächer.

Ob diese Veränderungen in unserer Gesellschaft tatsächlich zu einer Zunahme von Depressionen führen, ist allerdings nicht statistisch erwiesen. Wissenschaftler kamen in den letzten Jahren zu dem Schluss, dass es für diese These in Hinblick auf die westliche Welt keinen klaren Beweis gibt. Dennoch gibt es immer häufiger auftretende Phänomene wie das Burnout-Syndrom, das zwar nicht als eigenständige Krankheit anerkannt ist, aber häufig einen eindeutigen Bezug zur Arbeitswelt aufweist.

Für das Burnout-Syndrom gibt es keine eindeutigen „Krankheitsursachen“, dennoch kennt man heutzutage die wesentlichen Risikofaktoren. Dazu zählen mangelnde Anerkennung, schlechte Entlohnung, Arbeitsplatzunsicherheit und fehlende Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Häufig beklagt wird zudem die nicht stattfindende soziale Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte.

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