Diagnose Burnout: Was steckt dahinter?

Das Burnout-Syndrom scheint sich so rasch wie eine Grippe zu verbreiten und ist inzwischen ein sehr häufiger Grund für Arbeitsunfähigkeit. Bislang gilt das Phänomen – anders als beispielsweise Depressionen – allerdings noch nicht als eigenständige psychische Erkrankung. Forscher sind uneins darüber, ob sich das Burnout-Syndrom unter depressiven Erkrankungen subsumieren lässt oder ob es vielmehr als Risikofaktor für Depressionen gelten müsse.

All das mag daran liegen, dass der Begriff „Burnout“ selbst noch gar nicht definiert ist. Die Symptome der Patienten ähneln sich, sind aber dennoch individuell und komplex. Die Betroffenen leiden zumeist unter dem Gefühl total emotionaler Erschöpfung, was mit zahlreichen von Fall zu Fall unterschiedlichen psychosomatischen Beschwerden und einer allgemein stark nachlassenden Leistungsfähigkeit einhergeht. Dies kann schlimmstenfalls in vollkommener Resignation und sozialem Rückzug einschließlich Suizidabsichten münden. Mediziner klassifizieren die Beschwerden in den drei Dimensionen „Erschöpfung“, „Depersonalisation“ und „reduzierte Leistungsbereitschaft beziehungsweise -fähigkeit“.

Auch die infrage kommenden Ursachen bedürfen einer vielschichtigen Analyse. So können die Gründe für Burnout eher in der Umwelt der Betroffenen liegen („Opfer der Umstände“, passives Burnout) oder in den Patienten selbst („Selbstverbrenner“, aktives Burnout). Viele Burnout-Fälle ähneln sich darin, dass die Betroffenen unter bestimmten beruflichen Umständen leiden, weshalb das Burnout-Syndrom früher vor allem als „Manager-Krankheit“ bekannt war – wohingegen man heute weiß, dass besonders Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten, gefährdet sind. Allgemein stellen Wissenschaftler einen Wandel des Burnout-Syndroms fest: Während in den 70er und 80er Jahren vor allem idealistische Menschen an ihren hohen Selbstansprüchen scheiterten, sind es heute die eskalierenden Anforderungen in allen Lebensbereichen beziehungsweise der starke Wettbewerbsdruck im Beruf, der zum seelischen Ausbrennen führen kann.

Trotz intensiver Bemühungen fehlt es bislang an standardisierten und international einheitlichen Diagnoseinstrumenten. Auch eventuelle neurobiologische Ursachen sind unzureichend erforscht. Aktuell sollte der Begriff „Burnout“ daher noch nicht als Diagnose oder Grundlage für sozialrechtliche Entscheidungen verwendet werden.

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