Anti-Stress-Verordnung: Kann sie vor Burnout schützen?

Auch wenn die individuellen Belastungsgrenzen sehr unterschiedlich sind, lässt sich Stress in Kriterien messen. Eine entsprechende Verordnung soll Arbeitnehmer nun davor schützen, einem zu hohen Ausmaß an psychischem und psychosozialem Stress ausgesetzt zu sein. Initiator der Idee ist IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban. Er forderte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auf, per Verordnung nach dem Arbeitsschutzgesetz verbindliche Regeln zum Schutz vor psychischen Gefährdungen in der Arbeitswelt aufstellen. Damit sollen Betriebe in die Pflicht genommen werden, Maßnahmen gegen psychische Erkrankungen zu treffen und damit die Arbeitsschutz-Vorschriften zu erweitern. Im Fokus stünden laut Urban besonders Arbeitsnehmer in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, denn die Unsicherheit über die eigene Zukunft bedeutet absoluten Stress.

Bei den Inhalten der Anti-Stress-Verordnung geht es unter anderem um Regeln für Lage und Verteilung von Arbeitszeiten, zum Verhalten von Vorgesetzten, zur Taktung von Arbeitsabläufen und für die Belastung durch Projektarbeit.

Anlass für einen solchen Schritt sind aktuelle alarmierende Zahlen: So verursachen psychische Erkrankungen von Mitarbeitern in Deutschland jährlich Kosten von 26 Milliarden Euro durch Produktionsausfälle. Die Aufwendungen eingerechnet belaufen sich die Kosten psychischer Erkrankungen von Arbeitnehmern auf jährlich rund 40 Milliarden Euro. Weiterhin gehen 37 Prozent der Frühverrentungen in Deutschland auf psychische Erkrankungen zurück.

Die Anti-Stress-Verordnung trifft sowohl auf Befürworter als auch auf Gegner. Kritisiert wird unter anderem die mangelnde Berücksichtigung individueller Faktoren wie Persönlichkeit, Entwicklung, privates Umfeld, genetische Veranlagung und Arbeitsverhältnis sowie -umfeld. Eine Unternehmenskultur, die auf Wertschätzung und Gesundheit abzielt, kann laut Experten nur schwer verordnet werden. Wichtiger sei es stattdessen, Betriebe auf den Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitern zu schulen.

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