Burnout und Essstörungen – die Sucht nach Kontrolle

Viele Burnout-Patienten versuchen, das Gefühl des Ausgebranntseins durch vermehrten Arbeitseinsatz zu kompensieren. Das Ziel: Die Betroffenen suchen nach einem Weg, Kontrolle über die Situation und sich selbst zurückzuerlangen. Einige von ihnen, insbesondere Frauen, sind dabei auch anfällig für Essstörungen. Was der Ausgebrannte mit Arbeitseinsatz zu kontrollieren versucht, das wollen Essgestörte über die Reglementierung der Nahrungsaufnahme erreichen. In beiden Fällen geht es um etwas sehr Ähnliches: Gefühle müssen unbedingt in Schach gehalten werden – und zwar so lange, bis gar nichts mehr geht. Viele Essgestörte haben schon länger kein Bewusstsein mehr dafür, was die Ursache ihrer Qual ist. Sie haben auch keine Zeit, sich damit zu beschäftigen, denn die Essstörung nimmt sehr viel Kraft in Anspruch. Entspannung ist gar nicht mehr möglich. Am Ende erfolgt nicht selten ein physischer und psychischer Zusammenbruch. Die Art der Essstörung kann dabei unterschiedlich sein. Manche Patienten leiden an Magersucht, andere an Bulimie. Auch das gleichzeitige Auftreten der beiden Krankheitsbilder ist möglich: Viele Magersüchtige leiden nach langen Hungerphasen an Heißhungerattacken und möchten zugeführte Kalorien sofort wieder loswerden, da eine Gewichtszunahme eine Niederlage bedeuten würde. Sowohl bei Burnout als auch bei Essstörungen dominiert dieses Gefühl des Versagens. Dieses kann nur durch mehr und mehr Kontrolle kompensiert werden. Bei der Behandlung muss es daher darum gehen, den Zwang, den sich die Betroffenen zumuten,  zu durchbrechen. Insbesondere bei Magersucht ist dies trotz moderner therapeutischer Ansätze noch immer sehr komplex. Auch nach stationären Klinikaufenthalten erleiden zahlreiche Betroffene immer wieder Rückfälle.

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Ein Gedanke zu “Burnout und Essstörungen – die Sucht nach Kontrolle

  1. Mein Onkel erlitt einen Burnout, weil er siebzig Stunden pro Woche arbeitete. Ich arbeite auch viel und möchte wissen, ob es neben weniger Arbeit auch andere Lösungen gibt, um einen Burnout zu verhindern. Interessant, dass viele Menschen damit zum Arzt gehen lassen. Ich werde hier aufpassen.

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