Gesetzliche Anrufsperre gegen kommunikativen Dauerbeschuss?

Für viele Arbeitnehmer ist es Normalität, auch nach Dienstende Anrufe, E-Mails und SMS beantworten zu müssen. Die Folge: Einen echten Feierabend gibt es nicht mehr, die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmt. Auch am Wochenende klingelt bei einigen das Handy – denn irgendwas ist ja immer.

Die ständige Erreichbarkeit wird von den Beschäftigten oftmals falsch eingeschätzt. Gerade jüngere Arbeitnehmer denken wenig über diese Belastungen nach, denn sie sind häufig ehrgeizig und möchten sich engagiert zeigen. Im späteren Berufsleben kann sich das jedoch rächen: Denn irgendwann werden die Aufgaben immer mehr und die Energie lässt nach. Das Burnout-Risiko steigt.

Besonders drastisch ist dies in Unternehmen, die keinem Tarifvertrag angehören und keinen eigenen Betriebsrat haben. Hier gibt es niemanden, der die Beschäftigten schützt. Eine Missachtung des Bedürfnisses nach Ruhe könne dem Betriebsklima jedoch enormen Schaden zufügen, so Experten. Vor allem in der Pflegebranche sprengt die permanente Erreichbarkeit manchmal sämtliche Grenzen. Findet jedoch keine ausreichende Erholung statt und ist das Personal übermüdet, gefährdet dies indirekt auch Gesundheit und Leben der Patienten.

Nun gibt es einen neuen Vorstoß der IG Metall: Eine gesetzliche Anrufsperre soll aus dem Dilemma herausführen. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass der Feierabend auch wirklich Feierabend bleibt. Die bisherige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hatte sich bisher gegen eine gesetzliche Regelung ausgesprochen. In ihrem Ministerium gibt es aber seit 2012 einen Kodex, der nur noch in Ausnahmefällen E-Mails oder Anrufe nach Feierabend erlaubt. Auch einige Unternehmen folgen bereits diesem Beispiel und haben gute Erfahrungen damit gemacht.

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