Hirndoping im Büro – Mit Aufputschmittel durch den Arbeitsalltag

Vor dem ersten Kaffee geht morgens bei vielen Menschen nichts. Besonders in stressigen Zeiten bleibt es bei einer wachsenden Gruppe von Berufstätigen und Studenten jedoch nicht bei vergleichsweise harmlosen leistungssteigernden Mitteln wie Koffein. Sie nutzen  rezeptpflichtige Medikamente oder gar illegale Drogen, um die eigene Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Wissenschaftler bezeichnen dieses Vorgehen als Neuro-Enhancement oder schlicht Hirndoping.

Welchen Nutzen hat Hirndoping?

Der globalisierte Arbeitsmarkt und die Angst vor dem Jobverlust sowie die Sorge, von der Konkurrenz abgehängt zu werden, setzen viele Menschen heute stark unter Druck. Sie glauben, immer schneller und besser sein zu müssen. Im stressigen Berufsalltag werden oftmals permanente Höchstleistungen unter Zeitdruck erwartet, während Erholung, Freizeit oder die gründliche Genesung von Erkrankungen nicht selten als Luxus gelten, den man sich nicht leisten sollte. Für die Konsumenten von psychoaktiven Substanzen ist der Gedanke daher verlockend, ihre Gehirnleistung mithilfe dieser Mittel zu steigern.  Medikamente und Drogen bieten ihnen einen scheinbar einfachen Weg, um Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung zu erhöhen oder Ängste und Arbeitsblockaden zu überwinden. Selbst Schüler und Studenten nutzen bereits solche Mittel, um besser durch den Prüfungsstress zu kommen.

Welche Substanzen werden für das Hirndoping genutzt?

Für das Hirndoping wird eine Vielzahl illegaler sowie legaler aber verschreibungspflichtiger Substanzen eingesetzt. Lediglich Koffein, das von den meisten Menschen nicht einmal als Dopingmittel angesehen wird, ist freiverkäuflich in diversen Lebensmitteln, wie beispielsweise Kaffee oder Energy-Drinks, erhältlich.

Antidepressiva sollen die Leistungsfähigkeit dauerhaft erhalten. Die Konsumenten versprechen sich von diesen verschreibungspflichtigen Mitteln zum einen emotionale Stabilität, zum anderen eine gesteigerte Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit. Jedoch hat sich gezeigt, das viele Antidepressiva vom SSRI-Typ (SSRI: selektive Serotoninwiederaufnahme-Hemmer) nicht stimmungsaufhellend oder -stabilisierend wirken, wenn sie von ansonsten gesunden Menschen eingenommen werden. Im Gegenteil zeigten sich jedoch schwere Nebenwirkungen wie Ängste, Übelkeit oder Schlaflosigkeit.

Amphetamine, wie beispielsweise die Droge Speed, wirken ebenfalls leistungssteigernd. Sie unterdrücken Grundbedürfnisse wie Hunger, Durst und Müdigkeit und lassen den Körper über die Maßen auf Hochtouren laufen. Diese dauerhafte Überbelastung führt nicht selten zu körperlichen und seelischen Zusammenbrüchen.

Diverse Schlaf– und Beruhigungsmittel hingegen sollen die genau gegenteilige Wirkung erzielen. Sie verringern Ängste und Nervosität und werden oft dafür eingesetzt, den Körper möglichst schnell in den Schlaf zu bringen, wenn Überlastung und Sorgen die Nachtruhe verhindern. Ohne ärztliche Kontrolle drohen aber auch hier diverse Nebenwirkungen und Abhängigkeit.

Betablocker sind vor allem als verschreibungspflichtige Medikamente, die den Blutdruck senken, bekannt. Sie verlangsamen den Herzschlag und wirken beruhigend. In Stresssituationen erhoffen sich die Konsumenten, einen klaren Kopf und weniger Aufregung. Ohne Beratung durch einen Arzt dürfen diese Medikamente nicht eingenommen werden, da nicht nur Nebenwirkungen, sondern auch eine Überdosierung drohen.

Cannabis in Form von Haschisch oder Marihuana wird als beruhigendes und schmerzlinderndes Rauschmittel eingesetzt. Allerdings kann der Konsum auch apathisch machen und zu verzögerten Reaktionen führen.

Methylphenidat ist vielen Eltern in Form des Medikamentes Ritalin bekannt. Es wird vor allem bei Kindern und Jugendlichen zur Behandlung des Aufmerksamheitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) eingesetzt. Jedoch wird Ritalin auch immer häufiger Erwachsenen verschrieben. Ohne ärztliche Verschreibung wird Methylphenidat zur Leistungssteigerung, eingesetzt ,da es die Konzentrationsfähigkeit auch bei Gesunden optimieren soll. Neben den üblichen Nebenwirkungen droht bei unsachgemäßer Einnahme jedoch eine Übererregung des Nervensystem, die bis zum Koma führen kann.

Risiko: Sucht!
Viele Nutzer übersehen beim Konsum kritischer Substanzen, dass die tatsächlich erzielbare Wirkungen der eingesetzten Stoffe in der Regel sehr viel geringer als erhofft ausfällt. Die Nebenwirkungen treten hingegen zumeist mit voller Härte ein – spätestens dann, wenn die Konsumenten versuchen, die psychoaktiven Substanzen wieder abzusetzen. Die Liste der unerwünschten Wirkungen ist lang und variiert mit den eingenommenen Mitteln. Sie reichen von Ängsten, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen über körperliche Schäden, z. B. der Leber oder des Gehirns, bis hin zu den psychosozialen Folgen einer Abhängigkeit, wie dem Verlust des Arbeitsplatzes und des sozialen Umfeldes.

Jetzt bewerten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.