Neurasthenie – Burnout des 20. Jahrhunderts

Das Burnout-Syndrom gilt häufig als stressbedingtes Manager-Problem und typische Zivilisationskrankheit des 21. Jahrhunderts. Aber hätten Sie gedacht, dass schon vor 100 Jahren überlasteten Berufstätigen eine ähnliche Diagnose gestellt wurde? Dieses sich epidemieartig ausbreitende Phänomen wurde als Neurasthenie bezeichnet und hatte bereits damals Hochkonjunktur.

Neurasthenie

Neurasthenie - Burnout des 20. Jahrhunderts

Neurasthenie – Burnout des 20. Jahrhunderts – Fotolia © vladorlov

Diagnose: Nervenschwäche

Die Neurasthenie war bereist ab Ende des 19. Jahrhunderts ein weit verbreitetes Phänomen in Europa. Und schon damals erschien sich dieses Krankheitsbild, das in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg eine der häufigsten Diagnosen überhaupt darstellte, wie eine Epidemie auszubreiten. Die Patienten klagten über starke Erschöpfungszustände, Depressionen und Ängste sowie diverse psychosomatische Beschwerden, wie etwa Schlaf- und Verdauungsstörungen.



Wie auch die moderne Variante „Burnout“ kam die Diagnose aus den USA nach Europa. Um das Jahr 1880 hatte der New Yorker Nervenarzt George Beard dort den Begriff „Neurasthenie“ geprägt. Dieser setzt sich aus den griechischen Worten „neuron“ für Nerv und „astheneía“ für schwach zusammen und bedeutet also so viel wie „Nervenschwäche“.

Ursachen der Neurasthenie

Wie auch heute wurden die Veränderungen der Lebenswelt der Menschen durch neue technische Kommunikations- und Hilfsmittel als der wichtigste Auslöser für die Erkrankung gesehen. Die Hektik des modernen Wirtschaftslebens wurde als große Belastung empfunden. Aus unserer heutigen von Smartphone und Internet geprägten Sicht mag es fast etwas amüsant erscheinen doch beispielsweise die zunehmende Verbreitung der Taschenuhr bedeutete für viele Menschen Stress, da sie sich in einer Tretmühle aus Termindruck und Eile wiederfanden.

Das Burnout-Syndrom ist also in keiner Weise die Modediagnose, als die es häufig dargestellt wird. Vielmehr sollte uns das erneute epidemieartige Auftreten der Erkrankung aufhorchen und in einer immer schneller werdenden Welt gut auf uns selbst achtgeben lassen.

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