Sind Burnout und Depressionen vererbbar?

Das Burnout-Syndrom ist ein Zustand psychischer und physischer Erschöpfung, der mit dem Gefühl der Überforderung einhergeht. Studien belegen einen steilen Anstieg stressbedingter Erkrankungen in europäischen Ländern. Von 1999 bis 2010 ist die Anzahl von Fehltagen einer Studie der Krankenkasse AOK zufolge um rund 80 Prozent angestiegen. Sowohl Burnout als auch depressive Erkrankungen werden meist als Folge von zu viel Stress und anderen Umweltfaktoren angesehen. Doch Studien zeigen, dass auch die Gene eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen.

Sind das Burnout-Syndrom und depressive Erkrankungen vererbbar?

vererbbar

Urheber: iaremenko

Zwar gibt es kein Burnout-Gen, das vererbt werden kann, doch Studien zeigen, dass sowohl der Burnout als auch die Depressionen zu einem bestimmten Anteil genetisch bedingt sind. So liegt die Erblichkeitsschätzung für depressive Erkrankungen bei 0,7. Das heißt, dass die Genetik bei dem Auftreten einer depressiven Erkrankung zu 70 Prozent beteiligt ist. Nur 30 Prozent werden von den äußeren Bedingungen bestimmt. Für das Burnout-Syndrom gibt es eine solche Erblichkeitsschätzung noch nicht. Das liegt zum einen daran, dass die Erkrankung noch recht jung und damit noch nicht so gut erforscht ist. Zum anderen ist bisher noch nicht klar, ob es sich beim Burnout-Syndrom überhaupt um eine eigenständige Erkrankung handelt. Viele Forscher sehen das Burnout-Syndrom eher als Vorstufe der Depression.

Genetik und Burnout-Syndrom

Doch diese These ist umstritten. Studien einer schwedischen Forscherin mit mehr als 20.000 Teilnehmern zeigten, dass auch das Burnout-Syndrom eine genetische Komponente besitzt. So ist das Syndrom zu rund 30 Prozent durch die Gene bestimmt. Welche genetische Faktoren das Syndrom vererbbar (Eltern, Großeltern, usw.) machen, ist allerdings noch ungeklärt. Derzeit wird geforscht, welche genetischen Unterschiede zwischen Menschen mit Burnout-Syndrom und Depressionen bestehen. Es scheint jedoch so, dass ein Gen verändert ist, welches die Aktivität wichtiger Botenstoffsysteme im Gehirn beeinflusst.

Der Einfluss der Epigenetik

Auch die Epigenetik scheint bei der Entwicklung des Burnout-Syndroms und der Depression eine Rolle zu spielen. Die Epigenetik befasst sich mit der Modifikation von Genen. Im menschlichen Körper ist immer nur ein Teil der vielen Gene aktiv. Die Aktivität der einzelnen Genabschnitte wird durch sogenannte Methylgruppen reguliert. So können diese Gruppen die Aktivität bestimmter Genabschnitte hemmen. Forscher konnten nun nachweisen, dass bei Patienten mit depressiven Erkrankungen oder Burnout-Syndrom der Grad der Methylierung der DNA erhöht ist. Es wird vermutet, dass solche epigenetischen Veränderungen sogar von einer Generation zur nächsten vererbt werden können. Allerdings besteht hier Hoffnung, denn die Epigenetik ist keine Einbahnstraße. Das bedeutet, dass epigenetische Veränderungen durch geeignete Therapieverfahren, Präventionsmaßnahmen und eine Änderung des Lebensstils durchaus verändert werden können.

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