Weniger Budget für psychisch Schwerkranke – zugunsten von Burnout-Patienten

Burnout-Kliniken und Burnout-Therapiekonzepte schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Branche hat das Potenzial des Burnout Syndroms klar erkannt: Mit ausgebrannten Managern und Co. lässt sich eine Menge Geld verdienen. Viele Krankenkassen ziehen dabei inzwischen bereitwillig mit und stellen Gelder zur Verfügung, um leicht bis mittelschwer erkrankte Patienten in entsprechenden Burnout-Einrichtungen behandeln zu lassen.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) schlägt jetzt Alarm: Durch die neuen Vorteile für Burnout-Patienten verschlechtert sich die Versorgung insbesondere der schwer und chronisch psychisch Kranken. An einem Patienten mit Schizophrenie beispielweise verdient ein Psychiater 45 Euro. Dieser Betrag umfasst einen Patientenpauschale und das Gespräch. Für einen Besuch beim Psychotherapeuten hingegen löhnt die Krankenkasse 90 Euro. Die DGPPN warnt nun, dass dies falsche Anreize setze. Erkrankungen wie Suchtprobleme, Demenz oder Psychosen werden von niedergelassenen Psychotherapeuten kaum behandelt. Dies liegt allerdings auch daran, dass die Patienten bei einer Psychotherapie mindestens 50 Minuten lang mitdenken, verstehen, reflektieren und beim Thema bleiben können müssen. Vielen psychisch Schwerkranken fehlt es dafür an Kraft.

Auch im Falle von stationären Therapien ist die Situation nicht besser. Ab 2015 wird ein neues Entgeltsystem eingeführt, nach dem die Krankenkassen den Krankenhäusern Tagespauschalen bezahlen. Bleibt der Patient länger als 14 Tage, wird diese Pauschale stufenweise reduziert – trotz gleichbleibenden Behandlungsaufwands. Psychiater und Bestsellerautor Manfred Lütz hat sich zu der Problematik geäußert und warnt vor einer Spaltung in eine Zweiklassengesellschaft innerhalb der Kliniken.

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